Der Kommunalausschuss hat sich heute mit unseren Antrag „Barrierefreien Zugang zu Mobilität ermöglichen. Zugangshürden ab- statt aufbauen“ beschäftigt. Mit diesem Antrag wollen wir erreichen, dass der Chef der VRR, Martin Husmann, mit seiner Idee scheitert, Zugangssperren nach Pariser Vorbild an großen Bahnstationen in NRW einzurichten. Diese sollen Schwarzfahrer abhalten und Fahrgäste stärker kontrollieren. Zugangshürden sind in NRW nicht nur technisch kaum umzusetzen, sondern auch noch viel zu teuer.

Technische Hürden sind der falsche Weg, den sozialen Problemen in unserem Land zu begegnen. Sie sind teuer und bekämpfen nur die Symptome der gesellschaftlichen Probleme. Niemand fährt nämlich gerne schwarz und setzt sich so dem Stress aus, kontrolliert zu werden. Auch die auf der Verkehrsministerkonferenz am Mittwoch beschlossene Bußgeld-Erhöhung von 40 auf 60 Euro ist sehr unsozial und setzt nicht an der richtigen Stelle an. Als Lösung kommt nur der fahrscheinlose ÖPNV infrage! Das wäre ein riesiger Gewinn für unsere Gesellschaft und Mobilität.

Frank Herrmann, unser Mitglied im Kommunalausschuss, sagte heute:

In einem Zeitungsartikel hatte der Chef des VRR technische Zugangs-Sperren gegen Schwarzfahrer gefordert. Bei einer solchen Meldung sollten nicht nur bei Piraten die Alarmglocken läuten.

 

Ich beschäftige mich schon längere Zeit mit Sicherheits- und Überwachungstechnik und stelle fest, dass solche Meldungen immer wieder kommen und immer wieder geht es um einen vermeintlich dringenden Bedarf, ein großes Sicherheits-Problem, oder wie aktuell, um Einnahmeausfälle durch Schwarzfahrer. Und Technik soll dann die Lösung sein.

 

Das sind die Verkaufsmethoden der Sicherheitsindustrie und gerade die Kommunen stehen im Fokus der Marketingabteilungen.

 

Dass die Kontroll- und Überwachungstechnik auch Geld kostet, wird nicht erwähnt. Schlimmer aber ist, dass die Technik nicht nur Geld kostet, sie macht auch abhängig! Abhängig von Verschleiß, Modernisierung, Software-Updates usw. Und wenn Technik eigentlich billiger werden sollte, z. B. aufgrund von Massenproduktion, dann sinken nicht etwa die Kosten, nein, auch dann steigen sie z. B. durch Ausweitung der Einsatzgebiete.

 

Denn auch die Sicherheitsindustrie funktioniert nur mit Wachstum und sie ist sehr erfinderisch, den Bedarf nach Sicherheit und Kontrolle ständig neu zu wecken.

 

Und dann gibt es auch noch Unterstützung durch die Verkehrsminister, die das Bußgeld für Schwarzfahren auf 60 Euro anheben und damit die verlockenden Rentabilitäts-Berechnungen der Technik-Verkäufer noch günstiger aussehen lassen.

 

Hier muss dringend umgesteuert werden!

 

Das Geld, welches von den Kommunen für den ÖPNV ausgegeben wird, sollte auch nur für die Kosten des Transports der Menschen von A nach B ausgegeben werden, und nicht für Ticketautomaten, Kontrolltechnik gegen Schwarzfahrer und letztlich die Gewinne der Sicherheitsindustrie.

Unserer Meinung nach ist es ein größerer Gewinn für die Gesellschaft, wenn öffentlicher Personennahverkehr fahrscheinlos genutzt werden kann. Wie das zu erreichen ist, dazu gibt es z. B. am Montag eine Anhörung im Ausschuss Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr.

Ein Kommentar

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    Silvia Wölki

    Hallo Ihr Lieben!
    Ich finde es richtig toll ,daß ihr euch so einsetzt. Eure Lösung ist die einzig Richtige und ich muß es wissen , denn ich habe eine schwerst – mehrfachbehinderte Tochter. Macht weiter so,meine Stimme habt ihr.
    Liebe Grüße
    Silvia Wölki