Im Innenausschuss des Landtags wurde gestern über Aus- und Fortbildungen der Polizei zu den Themenkomplexen „Fanbeauftragte, Fankultur und Fanrituale“ gesprochen. Wir hatten diesen Punkt beantragt, weil in einer polizeiinternen Evaluation zur NRW-Initiative „Mehr Sicherheit bei Fußballspielen“ (liegt uns vor) gravierende Mängel im Kenntnisstand über die Funktion und Erkennbarkeit von Fanbeauftragten und über die Fankultur insgesamt aufgefallen sind. Fanbeauftragte der Gastvereine sind demnach den Beamten auf allen Hierarchieebenen in der Regel nicht bekannt. Die Evaluation legt auch nahe, dass die Ergebnisse auf die Zusammenarbeit mit Fanprojektmitarbeitern übertragbar sind. Außerdem gaben fast 99 Prozent der in der Evaluation befragten Gruppenbeamten an, noch nie an einer Fortbildungsveranstaltung zum Thema „Fanbeauftragte, Fankultur und Fanrituale“ teilgenommen zu haben. 1 Prozent antwortete mit „weiß nicht“.

Deshalb fragten wir Innenminister Jäger, wie denn dieses Thema in der Aus- und Fortbildung der Polizei verankert ist und wie, wann und wo ein Austausch zwischen den o. g. Akteuren stattfindet. Die Antwort zeigt auf, dass der Nachholbedarf enorm ist.

Zwar ließ die Landesregierung es sich natürlich nicht nehmen, wieder einmal Schreckensszenarien der Gewalt rund um Fußballspiele zu malen, aber leicht kleinlaut mussten die Verantwortlichen zugeben, dass die mangelnden Kenntnisse der Beamten daher rühren, dass es bisher faktisch keine speziellen Seminare oder ähnliches in den Bereichen gibt.

Zurzeit entwickelt eine Arbeitsgruppe landesweite Standards zur Durchführung der Fortbildungen, damit Beamte zukünftig über Erkennbarkeit, Handlungsfelder und Aufgaben der Fanbeauftragten und Fanprojekte sowie über das Verhalten und die Rituale der Fans informiert sind. Da wohl rund die Hälfte aller Fanbeauftragten bereits selbst schon einmal im Rahmen ihrer Arbeit Opfer von Gewalt geworden sind, ist es jetzt sehr dringlich, dass die Beamten Fanbeauftragte und Fanprojektmitarbeiter erkennen, um dann auch mit ihnen reden zu können.

Zukünftig soll auch mehr dafür gesorgt werden, dass Veranstaltungen mit Fanbeauftragten und Fanprojektmitarbeitern organisiert werden, bei denen diese ihre Aufgaben und Tätigkeiten vorstellen. Ich dachte zwar, dass es selbstverständlich sei, dass Fanbeauftragte oder Fanprojekte eingeladen werden, um den Polizeibeamten Kenntnisse über die Fankultur und die Fans zu vermitteln, aber das hat sich leider als Irrglaube herausgestellt.

Insgesamt sollten die Innenminister aller Länder nun dafür sorgen, dass der Polizeiapparat seine Hausaufgaben macht und seine Energie nicht für unsägliche Buszwang-Ideen u.ä. verschwendet.

 

Unsere Beantragung findet ihr hier.

Den Bericht des Innenministers findet ihr hier.

 

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